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Stoffwindeln und Gesundheitsförderung?

Hast du gewusst, dass ich meine Bachelorarbeit 2019 auf dem Kongress Armut und Gesundheit 2019 vorstellen durfte?

Das war ganz schön aufregend für mich und ich war begeistert, wie viel positive Resonanz mein doch untypisches Thema und mein Vortrag bekommen haben.

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass ich meine Arbeit über Stoffwindeln schrieb?

Beim Vortrag war ich gerade mit meinem zweiten Baby schwanger.

Wieso schreibt man eine wissenschaftliche Arbeit über Stoffwindeln?

Ich entdeckte 2014/2015 meine Stoffwindelliebe. Da war ich gerade im 3. Semester meines Bachelorstudienganges Gesundheitswissenschaften (engl. public health) an der Charité in Berlin. Für Nachhaltigkeit, Gesundheitsförderung und Umweltschutz hatte ich mich schon immer interessiert.

Da ich nun selbst Mama geworden war, entdeckte ich viele weitere wichtige Aspekte in Bezug auf diese Themen. 

Im Studium beschäftigten wir uns mit ganz anderen Dingen: wissenschaftliches Schreiben, Studien durchführen und auswerten, Statistik, berufliche Gesundheitsförderung, Gesundheitsversorgung und -systeme, Gesundheitspsychologie, -soziologie,und -pädagogik und vieles mehr.

Ich erfuhr am eigenen Leib, dass Mütter eine vulnerable (das bedeutet verwundbare) Gruppe sind und dieser Gruppe kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird, obwohl Frauen in dieser Gesellschaft der Kern der Familie sind. Frauengesundheit ist unglaublich wichtig und sollte viel mehr Beachtung finden.

Tatsächlich halfen mir die Stoffwindeln, einen innigeren Bezug zu meinem Baby zu bekommen und mich besser zu fühlen, denn unser Start und die Anfänge waren alles andere als einfach.

Durch meine Arbeit als Stoffwindelberaterin neben dem Studium und meine Aktivität in den sozialen Medien lernte ich unglaublich viele inspirierende und starke Frauen kennen. 

Vielen hatte das Wickeln mit Stoffwindeln – wie mir auch – mehr bedeutet als nur Windeln wechseln.

Doch in der Literatur fand sich nichts dergleichen. Man begegnete immer nur den uralten Studien zur Ökologie.

Das musste ich ändern. Ich wollte zeigen, was das Wickeln mit waschbaren Windeln für Effekte und Vorteile haben kann.

"Worüber wollen sie schreiben? Windeln?"

Die Themenfindung für die Bachelorarbeit rückte näher und die vorgeschlagenen Themen begeisterten mich allesamt nicht. Also fasste ich mir ein Herz und ging zu meiner Betreuerin.

Sie war selbst Mutter und ich hoffte, ihre Unterstützung zu bekommen.

Und tatsächlich. Sie nahm mich ernst und wir schauten, wie ich meine Ideen in das gesundheitswissenschaftliche Forschnungsfeld einbetten konnte. Am Ende fand ich so viele Punkte, dass es sogar noch für eine Master Arbeit gereicht hätte.

Ich beantragte im Studienreferat das Thema mit dem vollständigen Titel:

„Primärprävention bei Babys und Kleinkindern:
Eine qualitative Untersuchung über gesundheitsbezogene Erfahrungen von
Müttern im Gebrauch mit modernen Stoffwindeln

Primary prevention in babies and infants:
A qualitative study of health-related experiences of mothers in use with modern cloth diapers“

Wenige Wochen später erhielt ich die Genehmigung und konnte mein Glück kaum fassen.

Wie schreibt man eine wissenschaftliche Arbeit?

Wie man genau vorgeht, wenn man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, darüber gibt es zahlreiche Seminare. Es gibt gewisse Vorgaben und Möglichkeiten.

Ich habe mich für eine Methode entschieden, in der ich erst geschaute habe, was es schon alles an Studien, Büchern und weiterer Literatur über Stoffwindeln gibt.  Und das war Ende 2017/Anfang 2018 nicht viel.

Das meiste war auf Englisch. Deutschsprachige Literatur drehte sich zumeist um Stoffwindeln vs. Wegwerfwindeln im Bezug auf die Ökologie. Diese Studien waren bereits über 10 Jahre alt und damit nicht mehr aktuell. Leider werden sie immer noch sehr häufig angeführt und auch falsch dargestellt.

Im zweiten Schritt führte ich nach strengen Vorgaben Interviews mit Müttern durch. Diese zeichnete ich auf und wertete sie hinterher aus.

Das war sehr spannend. Die Ergebnisse ordnete ich und fasste sie zusammen.

Insgesamt arbeitete ich über 3 Monate an der Arbeit (mit Pausen, da ich zwischendurch so richtig krank wurde).

Geschafft!

Im März 2018 war es soweit. Ich bekam von meinen beiden Gutachterinnen eine 1,3 und eine 1,7.

Das macht eine Gesamtnote von 1,5 für die Arbeit.

Ich holte mein Abschlusszeugnis ab und darf mich seitdem Bachelor of science in public health nennen.

Und nun?

In der Stoffwindel-Community wurde meine Arbeit selbstverständlich ungeduldig erwartet 🙂

Doch ich wollte auch außerhalb meiner „Blase“ auf das Thema aufmerksam machen.

Da bekam ich per E-Mail den Aufruf, Themen für den Kongress Armut und Gesundheit in Berlin für 2019 einzureichen.

Völlig unerwartet bekam ich tatsächlich die Zusage. Ich dufte im Rahmen der Studienarbeiten ein Poster erstellen und einen Kurzvortrag halten.

Das war so aufregend, denn ich war zu dem Zeitpunkt wieder schwanger und hoffte, mein Baby wartet ab, bis ich den Vortrag gehalten habe 😉

Ursprünglich beschäftigte sich  meine Arbeit mit dem Thema der Verhinderung von Krankheiten (sog. Prävention) und der Gesundheitsförderung durch Stoffwindeln.

Wie bereits erwähnt fand ich kaum Literatur über diese Themen. Daher machte ich eine Literaturrecherche und befragte Mütter, die mit Stoff- und Wegwerfwindeln Erfahrung haben und fand u.a. heraus, dass auch finanzielle, psychische und soziale Vorteile durch waschbare Windeln entstehen.

Daher habe ich für den Kongress meine Arbeit unter der Forschungsfrage beleuchtet, ob Mehrwegwindeln soziale und gesundheitliche Ungleichheit abbauen können.

Die ausführliche Arbeit kannst du im Shop der Stoffwindel-Akademie für eine Schutzgebühr von 4,90€ kaufen.

Das Poster zu meinem Vortrag kann hier kostenfrei heruntergeladen werden:

https://www.armut-und-gesundheit.de/…/31_Sawatzke_Poster.pdf

Weitere Infos zum Kongress: https://www.armut-und-gesundheit.de/

Bildquelle Titelbild: https://www.armut-und-gesundheit.de/fileadmin/user_upload/Kongress-Archiv.png

Danke!

Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich zu dieser Arbeit ermutigt und mich dabei unterstützt haben!

Sie ist nicht nur für mich, sondern auch für die Stoffwindel selbst ein Meilenstein.

Mein Dank gilt den Frauen, die sich bereit erklärt haben, in den Interviews ihre Erlebnisse und Erfahrungen zu teilen und sich mir zu öffnen.

Außerden bin ich meiner Erstbetreuerin Dr. Ines Wulff für ihren Zuspruch und ihre Unterstützung dankbar.

Ganz herzlich möchte ich mich auch bei Dr. Thanh-Thu Phan Tan bedanken. Sie war meine Zweitgutachterin und ist wahrscheinlich eine der sehr wenigen in Deutschland, die in der Lage ist, das Thema fachlich und wissenschaftlich zu betrachten und bewerten. Denn zusammen mit Stephanie Oppitz setzt sich Thu seit einigen Jahren mit den Stoffwindelexperten für die Stoffwindeln ein.

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