Welche Stoffwindeln eignen sich im Tragetuch oder der Tragehilfe? Das solltest du bei Stoffwindeln in der Babytrage beachten

Baby im Ringsling-Tragetuch mit Stoffwindel

Du wickelst mit Stoffwindeln und nutzt eine Babytrage oder ein Tragetuch?

Tragen ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden und gehört schon fast zum Mainstream. Es gibt viele Möglichkeiten, wie du dein Baby tragen kannst. Besonders praktisch sind Tragehilfen mit oder ohne Schnallen oder Tragetücher.

Damit du mit deinen Stoffwindeln keine bösen Überraschungen beim Tragen deines Babys erlebst, gebe ich dir in diesem Artikel praktische Tipps für deinen Tragealltag.

Dabei gehe ich erst einmal darauf ein, was Tragen überhaupt bedeutet, wie du dein Baby tragen kannst und was es für Vorteile für dich und dein Baby bietet.

Inhaltsverzeichnis

Babytragen

Was bedeutet Tragen überhaupt?

Tragen bedeutet, dein Baby nah bei dir am Körper zu halten und dabei eine Tragehilfe oder ein Tragetuch zu verwenden. Es ist eine Jahrtausende alte Praxis, die in vielen Kulturen fest verankert ist, in Naturvölkern noch immer praktiziert wird und heute auch zunehmend in Industrieländern geschätzt wird.

Durch das Tragen erlebt dein Baby die Welt aus deiner Perspektive, spürt deine Nähe und fühlt sich sicher und geborgen.

Tragen ist keine neumodische Erscheinung. Primaten, weitere Affenarten und auch Menschen sind biologisch gesehen aktive Traglinge. Die frühkindlichen Reflexe von Babys wie beispielsweise der Greifreflex der Hände und Füße zeigen dies, da sich die Babys so im Fell der Mutter festklammern können. Auch die in Rückenlage gebeugten Beine und die einander zugewendeten Fuße begünstigen ein Klammern an der Mutter.

Heute gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, dein Baby bequem und anatomisch korrekt zu tragen (denn wir haben kein Fell mehr) und für jedes Tragepaar (Bezugsperson und Kind) gibt es die richtige Tragehilfe oder das richtige Tragetuch.

Da das Tragetuch die ursprüngliche Form des Tragens ist, spricht man beim Tragen von “binden”.

In der Regel wird das Baby beim Tragen vorn auf den Oberkörper der Trageperson (meist Mutter oder Vater) gebunden. Das Köpfchen des Kindes ist dabei etwa auf Höhe der Brust.

Es gibt auch die Option, das Baby auf dem Rücken zu tragen. Dies ist besonders bei älteren bzw. schwereren Kindern sinnvoll, erfordert jedoch etwas Übung und Routine.

Wenn du Tragen lernen und herausfinden möchtest, womit du am besten zurechtkommst, dann kannst du eine Trageberatung bei einer ausgebildeten Trageberaterin buchen.

Baby in Anhock-Spreiz-Haltung mit Stoffwindel in der Babytrage
Baby in Anhock-Spreiz-Haltung mit Stoffwindel in der Babytrage, Bildquelle: frau-beuteltier.de

Was hat Tragen für Vorteile für mich und mein Baby?

Das Tragen deines Babys ist eine der natürlichsten und innigsten Möglichkeiten, eine Bindung zu deinem Kind aufzubauen. Schon während der Schwangerschaft wird dein Baby durch deine Bewegungen sanft gewiegt – und genau dieses Gefühl kannst du nach der Geburt mit einer Tragehilfe oder einem Tragetuch fortführen.
 
“Aus dem Bauch – auf den Bauch” lautet hier das Motto.
 
Tragen ist mehr als nur eine praktische Transportmöglichkeit oder eine schöne Geste der Nähe. Es ist ein liebevoller Weg, deinem Kind Geborgenheit zu schenken und bietet zahlreiche wertvolle Vorteile für dich und dein Kind, die weit über bloßes Kuscheln hinausgehen.
 

Bindung, Geborgenheit und Nähe

Durch den engen Körperkontakt fühlt sich dein Baby sicher und geborgen. Dein Herzschlag, deine Atmung, deine Wärme und dein Geruch vermitteln ihm Urvertrauen und Ruhe. Sie regulieren dein Baby automatisch und helfen ihm, sich nach und nach an seine neue Umwelt anzupassen.
 
Viele Babys schlafen in der Trage auch schneller und ruhiger ein, da sie die Nähe zu dir spüren und deine Bewegungen beruhigend wirken.
 
Dein Baby ist außerdem geschützt vor den Blicken und Händen fremder Personen. Vor allem in Bus und Bahn schauen Leute öfter einfach in einen Kinderwagen oder greifen sogar hinein.
 
Außerdem schützt das Tragen dein Kind vor zu vielen Reizen der Umwelt. In der Trage – vor allem wenn du eine Tragejacke oder ein Trage-Cover nutzt – bekommt es weniger mit vom Straßenlärm, Lichtern oder der Witterung.

Förderung der Eltern-Kind-Kommunikation

Du lernst schneller, die Signale deines Babys zu verstehen, weil es direkt an deinem Körper ist und du seine Bedürfnisse intensiver wahrnimmst.

Dabei spürst du jede Regung, hörst jeden Laut und kannst sofort darauf eingehen, was dein Kind braucht.

Hat es Hunger? Übrigens kannst du in der Trage auch stillen, ohne dein Baby herauszunehmen.

Ist es müde? Du kannst es gezielt beruhigen z.B. auf und ab wippen oder summen.

Muss es mal? Wenn du dein Baby abhältst, bemerkst du, wenn es pullern muss oder das große Geschäft verrichten muss und kannst es aus der Trage holen und abhalten.

Ist es unruhig? Du kannst es gezielt beruhigen.

Getragene Babys schreien weniger, weil ihre Grundbedürfnisse schneller erkannt und erfüllt werden.

Praktische Erleichterung im Alltag, mehr Mobilität und Flexibilität

Hast du schon einmal versucht, mit einem Kinderwagen enge Gassen oder Treppen zu überwinden? Vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Zug, Bus oder Bahn haben Eltern mit einem Kinderwagen oft Schwierigkeiten, da Aufzüge zu Bahnsteigen defekt sein können oder Haltestellen nicht barrierefrei und somit auch für einen Kinderwagen schwierig zu bewältigen sind.

Auch im Urlaub – vor allem auf Flugreisen – bedeutet ein Kinderwagen zusätzliches Gepäck und Aufwand.

Eine Tragehilfe oder ein Tragetuch machen dich flexibel und erleichtern deinen Alltag enorm.

Mit deinem Baby in der Trage hast du beide Hände frei und kannst deinen Alltag leichter nachgehen. Einkaufen? Du kannst den Einkaufswagen schieben.
Staubsaugen? Kein Problem.
Essen zubereiten? Du musst nicht erst warten, bis dein Baby schläft, um dir ein Brot zu machen oder dein Müsli zu essen.

Förderung der körperlichen Entwicklung und Sinnesentwicklung

Neugeborene können ihre Körpertemperatur noch nicht allein regulieren. Die Körperwärme der Eltern beim Tragen hilft ihnen dabei.

Beim Tragen nimmt dein Baby aktiv am Leben teil, riecht dich, hört deine Stimme, spürt deine Bewegungen und sieht deine Welt.

Die ergonomische Haltung im Tragetuch und der Tragehilfe unterstützt eine gesunde Hüftentwicklung und stärkt die Muskulatur deines Babys.

Durch die sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung wird der richtige Druck in der richtigen Position auf die noch weichen Hüftgelenke deines Kindes ausgeübt.

Deine Bewegungen veranlassen dein Baby dazu, sich mitzubewegen und Ausgleichsbewegungen zu machen und trainieren seinen Gleichgewichtssinn.

In der richtigen, ergonomischen Position stützt der Tuchstoff zudem die noch C-förmige Wirbelsäule, die erst später mit zunehmender Muskelspannung gerader wird.

Auch für die Wirbelsäule der tragenden Person bietet das Tragen Vorteile. Trägst du dein Baby auf dem Arm, nimmst du automatisch eine Ausgleichshaltung ein. Dies kann zu Problemen mit dem Beckenboden führen aber auch zu Rückenschmerzen und Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich.

Gibt es auch Nachteile beim Tragen?

Wenn du die Aspekte für sicheres und gesundes Tragen beachtest, entstehen für dein Baby und dich keine Nachteile.

Hier ein paar Tipps zur Sicherheit:

  • Achte auf freie Atemwege, damit vor allem die ausgeatmete Luft deines Babys abtransportiert werden kann.
  • Der Rücken sollte durch den Tuchstoff so gestützt sein, dass er sich leicht runden kann.
  • Der Stoff unter dem Po – auch Steg genannt – sollte immer der natürlichen Spreizung deines Kindes angepasst werden. Er sollte von Kniekehle zu Kniekehle reichen.
  • Die Beine des Baby sollten leicht angehockt sein und die Knie etwas über dem Po sein.

Wenn du beim Tragen bemerkst, dass dir etwas weh tut oder unangenehm ist, dann such dir Hilfe bei einer Trageberaterin.

Die Auswahl der richtigen Tragemöglichkeit könnte dich durch eine Vielzahl an Herstellern und Modellen überfordern und verunsichern. Auch hier hilft eine Trageberatung.

Geschulte Trageberaterinnen findest du auf der Website des Tragenetzwerk e.V.

Wie kann ich mein Baby tragen?

Natürlich kannst du dein Baby auch mit deinen Armen tragen oder es schräg auf deine Hüfte setzen. Dies führt aber auf lange Zeit und mit zunehmendem Gewicht deines Kindes zu Problemen.

Ich stelle dir hier die zwei gängigsten Möglichkeiten vor, wie du dein Baby sicher und anatomisch richtig tragen kannst.

Ob du dich für ein Tragetuch oder eine praktische Tragehilfe entscheidest, hängt ganz von deinen persönlichen Vorlieben und deinem Lebensstil ab. Wichtig ist vor allem, dass du eine ergonomische und bequeme Lösung für dich und dein Baby findest.  

Mutter trägt schlafendes Baby mit Stoffwindel im Tragetuch
Mutter trägt schlafendes Baby mit Stoffwindel im Tragetuch, Bildquelle: frau-beuteltier.de

Tragetuch

Das Tragetuch ist die älteste Form des Tragens. Dabei gibt es heute Tragetücher aus verschiedenen Gewebearten, Stoffdicken und Materialien wie z.B. Baumwolle, Leinen, Seide oder Wolle.

Das Besondere an Tragetüchern ist, dass sie immer in der Diagonale elastisch sind und so das Baby ideal stützen.

Die Tücher haben immer eine Kopfkante für den Kopf- und Nackenbereich und eine Pokante für das Gesäß des Babys. Diese sind oft – wie die Mittellinie – farblich hervorgehoben.

Es gibt kurze und lange Tragetücher (bspw. 5,20m in Größe 7). Auch wenn dir das vermutlich sehr lang vorkommen wird, ist am Ende einer Bindeweise bzw. Wickeltechnik kaum noch Tuch übrig.

Offene Tuchenden kannst du verknoten oder ein sogenanntes Finish machen.

Ob du ein kurzes oder ein langes Tragetuch brauchst, hängt u.a. von der Art ab, wie du dein Kind einbinden möchtest.

Die gängigsten Bindetechniken sind:

  • Wickelkreuztrage
  • Einfache und doppelte Kreuztrage
  • Känguru
  • Einfacher Rucksack
  • Double Hammok

Ist ein Metallring an einem Tragetuch befestigt, spricht man von einem Ringsling.

Tragetücher können auch bereits in der Schwangerschaft eingesetzt werden bspw., um den Bauch zu stützen. Suche dafür eine Trageberaterin, die sich zu Bindeweisen für Schwangere weitergebildet hat.

Einige Hersteller für Tragetücher

* = Affiliate-Link

Baby in einer Mei-Tai-Tragehilfe mit Stoffwindel getragen
Baby in einer Mei-Tai-Tragehilfe mit Stoffwindel getragen, Bildquelle: frau-beuteltier.de

Tragehilfen

“Fertigtragehilfen” (auch Tragesysteme) sind besonders praktisch, da sie nicht erst gebunden werden müssen. Sie sind schnell auch von Laien angelegt, komfortabel in der Handhabung und intuitiver als ein Tragetuch.

Tragesysteme bestehen aus einem Bauchgurt, einem Rückenteil, Trägern, dem Steg und einer Kopfstütze.

Je nach Vorlieben gibt es gepolsterte oder aufgefächerte Träger und gepolsterte Gurte sowie verschiedenste Materialien.

Die Träger und der Bauchgurt können gebunden oder mit Schnallen verschlossen werden (sogenannte MeiTai, Half-Buckle oder Full-Buckle). 

Der Steg ist meist verstellbar und ermöglicht dadurch, dass die Trage eine Zeit lang mit wächst.

Im Gegensatz zum Tragetuch ist bei Tragehilfen mit zunehmendem Alter und Gewicht des Kindes der Wechsel auf ein anderes Modell bzw. eine andere Größe nötig. Für größere Kinder gibt es eine spezielle Tragehilfe namens Onbuhimo, mit der auf dem Rücken getragen werden kann.

Nicht alle Tragesysteme eignen sich zudem ab Geburt. Achte für den Start ab Geburt vor allem auf zwei Dinge: einen Steg, der sich flexibel einstellen lässt, damit er von Kniekehle zu Kniekehle reicht sowie ein Rückenteil in der passenden Länge. Beides sollte sich an die Größe deines Neugeborenen anpassen lassen, damit dein Baby gut gestützt in der Anhock-Spreiz-Haltung sitzt, der Rücken gut gerundet werden kann und dein Baby seinen Kopf frei bewegen kann.

Gängige Hersteller und Modelle von Tragehilfen

Buzzidil

  • Buzzidil BuzziTai
  • Buzzidil Wrapidil

Cybex (Amazon*)

  • Cybex Maira Click
  • Cybex Maira.tie

Didymos

Emeibaby

  • Emeibaby EmeiTai

Ergobaby

  • Ergobaby Adapt
  • Ergobaby Embrace
  • Ergobaby Original

Fidella

  • Fidella FlowClick
  • Fidella FlyTai / FlyClick

Fräulein Hübsch

  • Fräulein Hübsch Mei Tai
  • Fräulein Hübsch WrapCon

Girasol

Hoppediz

  • Hoppediz BONDOLINO Plus
  • Hoppediz HOP-TYE
  • Hoppediz Nabaca

Huckepack

  • Huckepack Halfbuckle
  • Huckepack Wrap Tai

Kokadi

  • Kokadi Flip
  • Kokadi TaiTai
  • Kokadi WrapTai / Star

LennyLamb

  • LennyLamb Ergonomische Tragehilfe
  • LennyLamb LennyUp
  • LennyLamb Wrap-Tai

LIMAS

MaMo

  • MaMo
  • MaMo Wrapconversion

Manduca

Marsupi

Ruckeli (Natürlich Familie*)

Schmusewolke

  • Schmusewolke Comfort

Storchenwiege

  • Storchenwiege BabyCarrier

Tula (Amazon*)

  • Tula Free-to-Grow

* = Affiliate-Link

Stoffwindeln und Tragen

Stoffwindeln und Tragen – Passt das zusammen?  

Ja, absolut! Viele Eltern, die sich für das Tragen entscheiden, interessieren sich auch für Stoffwindeln als nachhaltige Alternative zu Wegwerfwindeln. Beide Themen ergänzen sich wunderbar, da sie auf die Bedürfnisse deines Babys eingehen, seine natürliche Entwicklung unterstützen sowie eine enge Bindung fördern.

Nach diesem Überblick weißt du nun, worum es beim Tragen geht und worauf du achten solltest. Vielleicht hast du auch schon Erfahrung gesammelt und trägst dein Baby bereits.

Es gibt jedoch immer wieder Vorurteile oder Ängste gegenüber Stoffwindeln beim Tragen, die zu Unsicherheit führen.

  • Ist die Stoffwindel für die Trage nicht zu dick und kann sich das Baby dann noch gut anhocken?
  • Läuft die Windel dann aus, wenn mein Baby fest eingebunden ist?
  • Kann ich auch Wolle als Überhose benutzen?
  • Schnürt die Stoffwindel in der Trage meinem Baby nichts ab?
  • Eignen sich alle Stoffwindelsysteme zum Tragen?
  • Funktionieren Stoffwindeln nur mit bestimmten Tragen?

Auf diese Punkte und mehr werde ich nun eingehen. Außerdem gibt es ein Interview mit mir und den Tuchtanten zum Thema sowie ein Video mit Trageberaterin Anne-Marja von Frau Beuteltier und mir.

Video "Stoffwindeln und Babytragen"

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Die richtige Größe der Stoffwindel

Tragehilfen sollten einen mitwachsenden Steg haben, der sich stufenlos anpassen lässt, um die optimale Anhock-Spreiz-Haltung zu unterstützen.  

Die Auswahl der richtigen Größe der Stoffwindeln spielt eine entscheidende Rolle für Komfort und Funktionalität – erst recht beim Tragen!

Stoffwindeln sollten dem Alter und Gewicht des Babys angepasst werden, damit sie die Bewegungsfreiheit nicht einengen, aber auch nicht verrutschen können und damit ein Auslaufen und Abdrücke oder gar Striemen begünstigen. 

Insbesondere bei Neugeborenen sind Windeln in mitwachsender “onesize” Größe oft noch viel zu groß. Sie haben sehr viel Stoff, tragen zusätzlich auf und sitzen oft nicht gut, sodass die Windel auch ohne Trage eher ausläuft. 

Wenn du ein zierliches Baby hast, verkleinere entweder die Windel richtig oder greife direkt zu Stoffwindeln in Neugeborenengröße. Diese kannst du übrigens auch mieten und sie dann einfach zurückgeben, wenn das Baby herausgewachsen ist.

Natürlich solltest du für ein größeres Kind auch keine zu kleine Windelgröße wählen oder die kleinste Größe ausreizen. Oft schneidet diese durch den Anpressdruck beim Tragen zusätzlich ein und die Saugkraft reicht dann auch nicht mehr aus.

Also: Richtige Größe fürs richtige Alter wählen.

Aber auch die Kleidung deines Kindes sollte weder zu eng noch zu weit sein, damit sie nicht einschränkt oder verrutscht. Zur Auswahl der richtigen Tragekleidung komme ich später.

Eine Auswahl verschiedener Stoffwindel-Überhosen: Wollüberhosen sowie PUL-Überhosen mit Druckknopf- und Klettverschluss. Welche Materialien und Verschlüsse sich beim Tragen in der Babytrage eignen, erfährst du im Artikel.
Eine Auswahl verschiedener Stoffwindel-Überhosen: Wollüberhosen sowie PUL-Überhosen mit Druckknopf- und Klettverschluss. Welche Materialien und Verschlüsse sich beim Tragen in der Babytrage eignen, erfährst du im Artikel.

Passform und Schnitt von Stoffwindeln beim Tragen

Neben der Größe ist die richtige Passform entscheidend.

Windeln mit schmalen Flügeln eignen sich besser für das Tragen, da sie die Bewegungsfreiheit des Babys nicht einschränken.  

Breite, steife Flügel können die Anhock-Spreiz-Haltung verhindern und sind daher eher ungeeignet, da das Baby seine Beine damit nicht richtig beugen kann.

Empfehlenswert sind unter anderem Überhosen aus PUL oder Wolle mit Einlagen oder zum Dreieck mit Steg gefaltete Mullwindeln als Saugmaterial. Falls möglich, können die Flügel etwas nach oben auf die Hüften geschoben werden, um die Bewegungsfreiheit zu verbessern.

Wickelintervall und Materialien der Stoffwindeln beim Tragen

Wickle dein Baby am besten kurz vor dem Tragen, damit es eine frische Windel trägt und sich wohlfühlt. Vor allem, wenn du länger mit dem Baby in der Trage unterwegs bist, ist das sinnvoll. Gegebenenfalls solltest du zwischendurch die Windel wechseln, wenn du länger als 3-4 Stunden trägst.

Babys scheiden übrigens in der Trage meist weniger aus, da sie die Nähe zur Bezugsperson wahrnehmen und ihr “Nest” nicht beschmutzen wollen. Windelfrei bzw. Abhalten in Kombination mit Stoffwindeln und Tragen funktioniert sehr gut. Dazu später mehr. 

Nutze nur so viel Saugmaterial wie nötig, damit das Windelpaket nicht unnötig dick ist. Stoffwindeln sind im Gegensatz zu Wegwerfwindeln von Anfang an gleich dick und quellen nicht erst auf.

Nicht alle Saugmaterialien sind gleich gut für das Tragen in Kombination mit Stoffwindeln geeignet:  

  • Naturmaterialien wie Baumwolle, Hanf oder Leinen speichern Feuchtigkeit zuverlässig und sind atmungsaktiv.
  • Bambusviskose als synthetisches Saugmaterial ist saugstark, aber je nach Materialzusammensetzung bedingt atmungsaktiv.
  • Mikrofaser saugt zwar schnell, kann aber auf Druck Feuchtigkeit abgeben, weshalb sie in der Trage weniger geeignet ist. Außerdem staut sich in ihr eher die Wärme, was bspw. zu Hitzepickelchen führen kann. Werden Einlagen aus Mikrofaser falsch gewaschen, können sie zudem verseifen und ihre Saugkraft lässt stark nach.   

PUL (Polyurethanlaminat) und Schafwolle sind die gängigen Materialien, die bei Stoffwindeln als Nässeschutz zum Einsatz kommen. Wolle reguliert die Temperatur und speichert Feuchtigkeit als Wasserdampf, was sie besonders für den Sommer und das Tragen in warmen Temperaturen ideal macht. 

Damit in der Trage nichts ausläuft, ist es wichtig, dass du deine Überhosen aus Wolle regelmäßig wäschst und mit einer Wollkur mit Lanolin fettest.

Erfahre mehr zu allen Materialien in meinem Anfänger-Guide “Mit Stoffwindeln wickeln”.

Eine Stoffwindel in Neugeborenengröße am Baby. Gerade bei Neugeborenen ist die richtige Windelgröße entscheidend, damit die Windel gut sitzt und beim Tragen nicht unnötig aufträgt.
Eine Stoffwindel in Neugeborenengröße am Baby. Gerade bei Neugeborenen ist die richtige Windelgröße entscheidend, damit die Windel gut sitzt und beim Tragen nicht unnötig aufträgt.

Abdrücke und Striemen beim Tragen

Beim Tragen ist es wichtig, dass das Baby richtig fest eingebunden wird und ein optimaler Anpressdruck entsteht. Beugst du dich mit deinem Baby in der Tragehilfe oder im Tragetuch nach vorn, sollte es weiterhin fest an deinem Körper bleiben und nicht herunterhängen.

Daher sollte sowohl an dir als auch an deinem Baby beim Tragen alles vermieden werden, was scharfkantig ist oder Abdrücke verursachen kann.

Leichte Abdrücke auf der Babyhaut sind völlig normal. Babys haben noch viel Wasser im Fettgewebe.

Ähnlich wie Sockenabdrücke bei uns verschwinden sie meist innerhalb weniger Minuten wieder. Dein Baby stören sie nicht.

Wichtig ist nur: Es sollten keine roten Striemen entstehen. Und die Abdrücke sollten nach dem Ausziehen schnell wieder weggehen.

Siehst du auch Stunden später noch einen roten Striemen? Dann korrigiere den Sitz der Windel und stelle die Größe neu ein.

Für einen guten Sitz fährst du nach dem Anlegen mit dem Finger am Beinbündchen entlang, von hinten nach vorn. So wird keine Haut eingeklemmt.

Achte auch darauf, dass die Einlagen glatt anliegen. Eine verknautschte Einlage drückt – gerade bei Jungs ist das unangenehm.

Neigt dein Baby zu Abdrücken? Dann wähle Windeln mit einer einfachen, weichen Beinnaht statt mit doppeltem Bündchen oder Tunnelzug. Auch zu straffe Gummis können die Haut einklemmen.

Mit einem gut angepassten Steg bleiben die Beinchen frei beweglich und gut durchblutet.

Wenn du unsicher bist, trage dein Baby in kürzeren Intervallen und prüfe regelmäßig, dass die Windel nicht zu fest angelegt ist. Frage deinen Kinderarzt oder deine Kinderärztin, falls alle Tipps nichts bringen und lass es abklären!

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Blaue Flecken beim Tragen

Manchmal zeigen sich an den Unterschenkeln deines Babys kleine rote oder bläuliche Pünktchen – sogenannte Petechien.

Das sieht erst einmal erschreckend aus, ist beim Tragen aber meist harmlos. Im Schlaf ist der Blutdruck niedrig, durch die Anhock-Spreiz-Haltung sackt Blut in die Beine, und drückt dort eine Wulst oder zu enge Kleidung, staut es sich leicht.

Achte darauf, dass der Steg bis kurz vor die Kniekehlen reicht und sich dort keine Wulst bildet. Das verbessert die Durchblutung.

Bilden sich die Pünktchen nicht zurück oder treten auch ohne Tragen auf, lass das sicherheitshalber von deinem Kinderarzt abklären.

Mehr Infos zu Abdrücken oder blauen Flecken beim Tragen gibt es in Folge 42 des Tuchtanten-Podcast und bei MamaMotion.

Eine Mutter hält ihr Baby – es trägt eine blaue Stoffwindel mit Pusteblumen-Print (Modell Popolini Easyfree). Windelfrei und Abhalten lassen sich gut mit Stoffwindeln und dem Tragen kombinieren.
Eine Mutter hält ihr Baby – es trägt eine blaue Stoffwindel mit Pusteblumen-Print (Modell Popolini Easyfree). Windelfrei und Abhalten lassen sich gut mit Stoffwindeln und dem Tragen kombinieren.

Windelfrei & Abhalten in der Trage

Babys sind von Natur aus keine „Nestbeschmutzer”. In der Trage spüren sie deine Nähe und die Enge im Schritt und scheiden seltener unkontrolliert aus. Und im Tiefschlaf, in dem viele Tragebabys liegen, ohnehin meist nicht.

Deshalb brauchst du in der Trage gar nicht so viel Saugmaterial.

Mit etwas Übung merkst du sogar die Signale deines Babys: Es wird unruhig, wenn es mal muss. Das Gefühl „am Bauch wird’s nass” ist dabei oft kein Auslaufen, sondern Wolle, die gespeicherte Feuchtigkeit als Wasserdampf abgibt.

Im Tragetuch hast du dein Baby in Sekunden heraus und kannst es direkt abhalten. Als Backup eignet sich eine Abhaltewindel mit Bauchband – die musst du gar nicht dick stopfen.

Du möchtest das Abhalten von Anfang an sicher lernen – gerade mit einem Neugeborenen? In meinem „Windelfrei Onlinekurs – Abhalten für Neugeborene & Babys” zeige ich dir Schritt für Schritt, wann und wie du dein Baby abhältst, welche Backups und Abhaltewindeln passen und wie Windelfrei entspannt in euren Alltag passt.

Kleidung beim Tragen

Auch die Kleidung* macht beim Tragen mit Stoffwindeln einen Unterschied. Sie sollte weder zu eng noch zu weit sein.

Zu enge Kleidung schnürt ein und verhindert, dass dein Baby in die Anhock-Spreiz-Haltung kommt – im schlimmsten Fall drückt sie so stark, dass die Stoffwindel ausläuft. Zu weite Kleidung wirft Falten, die ebenfalls drücken können.

Verzichte am besten auf Strampler oder Bodys mit Füßchen. Durch die Anhock-Spreiz-Haltung zieht sich der Stoff zusammen und wird schnell zu eng. Du erkennst das daran, dass sich die Füßchen nach vorne aufstellen.

Besser sind Stulpen*, Babylegs, eine Leggings (oder Strumpfhose mit abgeschnittenen Füßen) oder eine Bodyverlängerung*. Das passt meist auch länger.

Hosen wählst du lieber eine Nummer größer und locker geschnitten. Enge Hosen rutschen beim Tragen hoch, dein Baby bekommt kalte Waden und du zuppelst ständig daran. Skinny-Schnitte und Schiebe- oder Metallknöpfe am Bauch sind ungünstig.

Barfuß sind Babys übrigens am besten aufgehoben. Und Wolle hat auch hier einen Vorteil: Sie wächst ein Stück weit mit und gibt schön nach.

Wenn du dein Baby abhältst oder windelfrei unterwegs bist, gibt es sogar spezielle Abhaltekleidung – zum Beispiel bei der Windelmanufaktur*:

  • Splitpants
  • Abhaltehosen

Dort gibt es außerdem Stulpen aus Merinowolle*.

* = Affiliate-Link

Eine Abhaltewindel mit Klettverschluss hinten und einer weichen Saugeinlage. Beim Tragen sind ein weiches Bündchen und ein angenehmer Verschluss wichtig, damit nichts drückt.
Eine Abhaltewindel mit Klettverschluss hinten und einer weichen Saugeinlage. Beim Tragen sind ein weiches Bündchen und ein angenehmer Verschluss wichtig, damit nichts drückt.

Verschlüsse der Stoffwindel: Klett vs. Druckknöpfe

Ob Klett oder Druckknöpfe (Snaps) – beim Tragen lohnt sich ein zweiter Blick auf den Verschluss der Stoffwindel.

Klettverschlüsse sind praktisch und schnell. Beim Tragen haben sie aber einen Haken: Wenn sich dein Baby am Bäuchlein beugt, kann die Klettkante umklappen und mit ihrer relativ scharfen Kante in den Bauch drücken. Auch der zusätzliche Klettstreifen vorne an den Flügeln kann unangenehm aufdrücken.

Druckknöpfe sind hier oft die angenehmere Wahl, weil keine scharfe Kante entsteht. Wenn du die Wahl hast, greife fürs Tragen also eher zu Snaps.

Bleibst du beim Klett, achte darauf, dass der Abstand zwischen Klettkante und Babybauch groß genug ist oder die Einlagen lang genug sind, damit nichts nach innen klappt.

Bei vielen Woll- und Abhaltewindeln ist das Bündchen ohnehin sehr weich und der Klett sitzt hinten – das drückt dann kaum.

Podcastfolge "Stoffwindeln und Tragen"

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Fazit: Stoffwindeln und Babytragen passen wunderbar zusammen

Du siehst: Stoffwindeln und Tragen schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Beides geht auf die Bedürfnisse deines Babys ein und lässt sich problemlos kombinieren.

Worauf es ankommt, sind ein paar einfache Dinge: die richtige Windelgröße, ein guter Sitz mit schmalen, weichen Bündchen, nur so viel Saugmaterial wie nötig und eine Trage mit mitwachsendem Steg. Dann sitzt dein Baby bequem in der Anhock-Spreiz-Haltung, nichts läuft aus und nichts drückt.

Trau dich also ruhig, dein getragenes Baby mit Stoff zu wickeln – und wenn du magst, kombiniere es mit dem Abhalten. Mit ein bisschen Übung wird beides ganz selbstverständlich zu eurem Alltag gehören.

Und falls du tiefer einsteigen oder dir bei deinem Setup unsicher bist: In einer Beratung oder einem meiner Onlinekurse schauen wir gemeinsam, was zu dir und deinem Baby passt.

 

Häufige Fragen zu Stoffwindeln und Babytragen

Ist die Stoffwindel für die Trage nicht zu dick?

Nein. Stoffwindeln sind von Anfang an gleich dick und quellen nicht auf wie Wegwerfwindeln. Mit einem mitwachsenden Steg von Kniekehle zu Kniekehle kommt dein Baby trotzdem gut in die Anhock-Spreiz-Haltung. Nutze einfach nur so viel Saugmaterial wie nötig.

In der Regel nicht. Wichtig sind die richtige Größe, ein korrekter Sitz und genug, aber nicht zu viel Saugmaterial. In der Trage scheiden Babys oft sogar weniger aus.

Ja, auf jeden Fall. Wolle ist atmungsaktiv und reguliert die Temperatur – ideal auch im Sommer. Achte nur darauf, dass die Wollüberhose regelmäßig gewaschen und mit Lanolin gefettet ist, damit sie dichthält.

Bei richtigem Sitz nicht. Leichte Abdrücke sind normal, rote Striemen sollten nicht zurückbleiben. Wähle schmale, weiche Beinbündchen und passe Größe und Steg gut an.

Grundsätzlich ja. Wichtiger als das System sind die richtige Größe, ein guter Sitz und schmale Flügel. Naturmaterialien eignen sich besser als Mikrofaser.

Nein. Du kannst mit jeder ergonomischen Tragehilfe oder jedem Tragetuch wickeln. Wichtig ist nur ein verstellbarer, mitwachsender Steg.

Schreibe einen Kommentar

Vertrag widerrufen